AZUBI – vom Schüler in den Arbeitsmarkt

Es geht ums Ganze

„Wenn ich gewusst hätte, dass der sich so entwickelt, dann hätte ich ihn nicht eingestellt.“ Viele Chefs denken oder sagen diesen Satz und beschreiben damit ein großes Problem. Gerade, wenn es mehrere Bewerber auf eine Stelle gibt, entscheiden schlussendlich oft die Schulnoten, wer die Ausbildung bekommt. Nicht etwa, weil die Noten etwas über die Person aussagen würden, sondern weil sie ganz einfach die einzige objektive Kennzahl sind, an denen sich die Unternehmen orientieren können.

 

Der Schuldige ist schnell gefunden

Im Rubikon-Institut in Schöllkrippen weiß man um diese Problematik. Leiter Siegfried Eberle kennt aus seiner Praxis einige Beispiele: „Oft wird die Schuld dann beim Jugendlichen gesucht. Das geht von „der hat sich halt gut verkauft“ bis hin zu „der hat uns betrogen“. So einfach ist es aber nicht. Man darf den Azubis hier keine Böswilligkeit unterstellen. Oft merken sie selber erst nach ein paar Wochen, dass der Job nicht der richtige ist. Aber dann zu erwarten, dass sie zu ihrem Vorgesetzten gehen und sagen, er solle doch jemanden anders nehmen, ist etwas viel erwartet. Eine Lehrstelle zu haben, ist enorm wichtig. So was schmeißt man nicht einfach hin.“

Eberle führt solche Missverständnisse bei der Einstellung vor allem darauf zurück, dass die Unternehmen ihre Einstellungsgespräche falsch aufbauen und steuern. Hier gäbe es häufig standardisierte Fragen und Einstellungstest, die sich jeder vorher im Internet besorgen könne. Im Ergebnis bekämen dann nicht die die Lehrstelle, die am besten dafür geeignet seien, sondern die, die sich am besten auf den Test und die Fragen vorbereitet hätten.

 

Der Profiler am Werk

Deshalb bietet Eberle mit seinem Institut einen Profiling-Service an.

„Profiler kennen die meisten Menschen aus Hollywoodfilmen, in denen ein Psychologe den Täter nach seinen Verhaltensmustern aufspürt. Ganz ähnlich ist es auch bei unserem Job-Profiling. Das Unternehmen ruft uns an, wenn es eine Vorauswahl getroffen hat, was die Besetzung der neuen Lehrstelle angeht. Dann kommen wir ins Spiel. Wir klären mit unserem Auftraggeber ab, welche Voraussetzungen ein Azubi mitbringen sollte und entwickeln daraus einen Test, den wir mit den Bewerbern durchführen. Das Ergebnis ist dann ein Profil, aus dem sich genau lesen lässt, wer am besten für den Job geeignet ist. Vollkommen unabhängig von Schulnoten oder ähnlichem.“

 

Für beide Seiten positiv

Dabei ist Eberle wichtig zu betonen, dass dieses Profiling nicht nur den Unternehmen nützt. „Die berühmte Lehrstelle um jeden Preis ist in unseren Augen nicht das Mittel der Wahl. Was nützt es einem jungen Menschen, wenn er eine Stelle hat, aber alles andere als glücklich ist und seine Leistungen unterdurchschnittlich sind? Davon hat niemand etwas.“ Inzwischen gebe es sogar Jugendliche, die das Profiling des Rubikon-Instituts für sich in Anspruch nähmen.

„Die Schüler kommen zu uns und wir testen sie. Danach können wir die Begabungen und die Jobs, in denen sie sie einsetzen können relativ gut eingrenzen. Der Effekt ist, dass man seine Bewerbungen nicht mehr nach dem Gießkannenprinzip verteilen muss, sondern sich gezielt für bestimmte Berufe bewerben kann und die Chance dort genommen zu werden sehr hoch ist.“

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