Übertrittsklasse – 4 Klasse

Volle Konzentration

Was viele Eltern mit dem Wort „Schicksalsklasse“ bezeichnen, ist nichts anderes als das dritte Schuljahr. Denn spätestens ab diesem Zeitpunkt wird in die Zielgerade Richtung Übertrittszeugnis eingebogen. Ein Jahr später entscheidet sich: Geht mein Kinde ins Gymnasium, die Real- oder die Hauptschule? Doch gerade ab diesem Zeitpunkt haben Eltern das Gefühl, das Schulen nicht genug im Bereich Konzentration tun.

 

Unter Druck geraten

Laut dem Leiter des Rubikon-Instituts in Schöllkrippen, Siegfried Eberle, ist aber oft genau diese Konzentrationsfähigkeit das Zünglein an der Waage:

„Für die Kinder sind die letzten beiden Schuljahre eine besondere Belastung. Um sie herum geht es plötzlich nur noch um Leistung. Und sie befinden sich mitten in diesem Strudel und müssen jetzt damit umgehen, dass sie diesem Leistungsdruck ausgesetzt sind. Wie bei den Erwachsenen auch gibt es dann eben Kinder, die erst unter Druck zu besten Leistungen fähig sind. Und solche, die damit überhaupt nicht umgehen können.“ Laut Eberle aber gibt es Möglichkeiten, genau diesen Kindern Hilfestellungen zu geben.

 

Reine Trainingssache

„Nicht umsonst wird das Gehirn gerne mit einem Muskel verglichen. Wenn ich es regelmäßig trainiere, dann werden seine Leistungen besser. Allerdings muss das Training wirklich auf das gewünschte Ergebnis ausgelegt sein. Ein Sportler, der vor allem Ausdauer trainieren will, wird nicht wie ein Bodybuilder eine 120 Kilo-Hantel drei Mal stemmen, sondern eine 15-Kilo-Hantel 30 Mal. Ähnlich ist es mit unserem Konzentrationstraining.“

Dieses sei, laut Eberle auf langanhaltende Konzentration ausgelegt. Die Kinder würden in verschiedenen Übungen zu Konzentrationsleistungen angeregt. Die Leistungsanforderungen würden dann Schritt erhöht, so dass sich schlussendlich der gewünschte Effekt einer lang anhaltenden Konzentrations- und Merkfähigkeit einstelle.

„Das Training ist darauf ausgelegt, dass die Kinder über einen längeren Zeitraum ihre Konzentrationsfähigkeit verbessern. Diese Fähigkeit wird ihnen nicht nur akut, sondern auch nach Jahren noch helfen.“

 

Nicht die Pferde scheu machen

Dennoch ist Eberle wichtig, dass sich in einer schwierigen Situation wie vor dem Übertrittszeugnis vor allem die Eltern nicht panisch machen lassen:

„Viele Eltern merken gar nicht, wie sehr sie ihr Kind unter Druck setzen. Sie wollen es auch nicht und tun es trotzdem. Man muss sich einfach das Szenario vorstellen: In der zweiten Klasse war noch alles in Ordnung und mit Beginn der dritten fangen alle Bezugspersonen um das Kind herum an, es nur noch nach seinen schulischen Leistungen zu messen. Und nicht nur das. Wenn die Leistungen nicht passen reagieren die Eltern plötzlich anders als noch im letzten Jahr. Plötzlich werden ernste Gespräche über Zukunftsaussichten geführt und ähnliches. Viele Kinder sind von diesem Druck einfach überfordert und machen dann dicht.“

Eberle rät dazu, trotz aller Ängste, die Eltern haben, die Pferde nicht scheu zu machen. Druck sei wichtig – auch für das spätere Leben. Aber ebenso wichtig sei, dass das Kind merke, dass es nicht einzig und allein über seine schulischen Leistungen definiert werde.

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